Leidenschaftlicher Diener der Kunst

Der Kulturwissenschaftler und Museumsleiter Hans-Peter Jakobson ist Ende Januar 2020 im Alter von 72 Jahren in Gera gestorben.

 

Hans-Peter Jakobson war einer meiner ersten Gesprächspartner im Literarischen Duett. In Erinnerung an ihn mein in der

Ostthüringer Zeitung veröffentlichter Nachruf und das Video der Sendung:

 

In Gera hat er das Museum für Kunsthandwerk, heute Museum für Angewandte Kunst, aufgebaut. In Thüringen leitete er von dessen Gründung bis  2003  den Museumsverband e.V. Für alles, was die zeitgenössische deutsche Keramik betrifft, war er ein gefragter Experte. Bis kurz vor seinem Tod war er als Kurator und Kritiker tätig, hat Kunst gesammelt und verteidigt. Von Jugend an malte er, öffentlich gezeigt hat er seine Bilder aber selten, meist zusammen mit den Fotografien seiner Frau Monika. Er kannte Hinz und Kunz, war ein begnadete Erzähler, unbestechlicher Zeitzeuge, treuer Freund und  gütiger Mensch. Vergangene Woche ist Hans-Peter Jakobson in Gera gestorben.
 
Ohne ihn gäbe es in Gera vielleicht ein Museum weniger. Nicht nur, weil es  Anfang der 80er Jahre der frisch gebackene Kulturwissenschaftler Jakobson ist, der hier ein Museum für Kunsthandwerk in Gera aufbauen soll. Er kniet sich in die Arbeit, doch als es 1984 öffnet,  wird ein Anderer Museumsdirektor. Das ist nicht der erste Rückschlag in seiner Karriere. 

Ein Jahrzehnt lang versuchen Stasi und ein Dutzend IM, ihn als Staatsfeind zu überführen.  Dabei ist der 1947 in Wittenberge geborene junge Mann, als er 1961 nach Gera kommt, nur wissbegierig, kontaktfreudig und kunstinteressiert. Schon bald besuchen der 16-jährige und Monika den ins Abseits gedrängten Maler Herbert Enke. Es beginnt eine lebenslange Freundschaft mit diesem bedeutenden Künstler.

Hans-Peter Jakobson hat die EOS abgebrochen, arbeitet im Betrieb seiner Schwiegermutter und studiert daneben Ingenieurökonomie. Ein wichtiger Weichensteller Richtung Kunst ist der charismatische Kreissekretär des Kulturbundes Greiz Ibrahim Böhme. Auch Jakobson wird  Kulturbundkreissekretär,  in Gera-Land. Als er die gerade eröffnete Kleine Galerie Gucke in Bad Köstritz leiten darf, erfüllt sich ein Lebenstraum. Doch der endet bereits 1975  mit der dritten Ausstellung. Der junge Jenaer Maler Gerd Sonntag soll seine großformatigen Bilder zeigen. Zur Eröffnung lädt Jakobson Jürgen Fuchs, Bettina Wegner und Gerulf Pannach nach Bad Köstritz ein. Am Tag darauf wird der 27-jährige Galerieleiter abgesetzt. Er ist Vater von drei kleinen Kindern, arbeitslos, darf das Studium in Berlin nicht antreten und findet erst ein Dreivierteljahr später eine Anstellung im Geraer Wohnungsbaukombinat. Das delegiert ihn dann doch noch zum Studium der Kulturwissenschaft. 

Die Jakobsons ahnen, dass sie bespitzelt werden.  Zu viele Pläne scheitern auf unerklärliche Weise. Doch Jakobson lässt sich nicht von seinem Traum abbringen. Er schließt sein Studium ab, wird in den Künstlerverband aufgenommen, darf nun freiberuflich als Kurator und Kritiker arbeiten und sogar ein Museum aufbauen. 

Als sein Chef von einer Dienstreise in den Westen nicht zurück kommt, wird Hans-Peter Jakobson Direktor des Museums für Kunsthandwerk. Sich mit Kompetenz und Leistung gegen Bosheit und Betonköpfe behauptet zu haben, erfüllt ihn mit Genugtuung. Unter seiner Leitung wird das Haus zum Museum für Angewandte Kunst um-, die Sammlung ausgebaut. Jakobson holt großartige Ausstellungen nach Gera. Das spricht sich herum und die Stadt erhält bedeutende Schenkungen wie etwa die Sammlung Welle.

Doch sich auf Lorbeeren ausruhen, ist im Lebensweg von Hans-Peter Jakobson offenbar nicht vorgesehen. Bereits im Ruhestand, streitet er unbeirrt für den Erhalt des Museums im Ferberschen Haus und ist trotz seiner Krebserkrankung stets begeisternd und gut gelaunt unterwegs als Kurator, Laudator und Autor. Noch zehn Jahre hätte er so gern für seine vielen Ideen und Pläne, hat er sich im Dezember gewünscht... Sie waren ihm und uns nicht vergönnt. 

 

 

 

Sakulowski malt Banane


Der Weidaer Künstler zieht im Gespräch mit Angelika Bohn Bilanz und enthüllt erstmals geheime Nebentätigkeit

Herr Sakulowski, wie lief 2019 für Sie?
Mit Höhen und Tiefen. Wie das so ist, wenn man malt und ausgestellt, eine tolle Familie und zuverlässige, gute Freunde hat. In Weida gibt es seit diesem Jahre ein Horst-Sakulowski-Kabinett. Das freut und ehrt mich.

Sie sprachen von Tiefen. Stimmt es, dass ein lang vorbereitetes  Ausstellungsprojekt scheiterte?
Ja, sehr ärgerlich.

Es heißt, Sie wollten ein Gemälde zeigen, das sich nach den großen Werkgruppen einem in Ihrem Oeuvre bisher völlig vernachlässigten Sujet zugewendet hatte?
Richtig.

Es heißt, Sie hätten in Ihrer altmeisterlichen Art eine nackte Banane porträtiert, das Gemälde aber, bevor der Firnis trocken war, aufgegessen?
Dabei hat es sich als gute Idee erwiesen, die Banane nackt zu malen. Ich musste also die Schale nicht mitessen. Interessant war die Erfahrung, dass die Banane recht gut schmeckte. Leichtes Bratölaroma. Das von eingeweihten Kunstwissenschaftlern und Sammlern besonders gelobte „Spannungsverhältnis zwischen der kleinteilig und detailbesessen gemalten Frucht und der sie umgebenden großräumig angelegten Spielfläche“ allerdings hat sich geschmacklich nicht bemerkbar gemacht. Leider, da hatte ich mir mehr versprochen.

War die Vernichtung des Kunstwerks nicht ein Schock für die Käufer, die schon Schlange nach der Banane standen?
Möglich, aber ich vermute, sie boten mir die nachgerade unanständigen Summen für das Bild nur, weil die Banane nackt war. Ihr Begehren nach Besitz zielte  also einzig auf die erotische Komponente. Es war ihnen aber nicht gegeben, meine assoziationsträchtige bahnbrechende Durchdringung des weithin noch unbehandelten Innenlebens und die psychologische Struktur der Frucht auch nur im Ansatz zu durchschauen. Das hat mich enttäuscht.  

Man munkelt, Sie sind, was Bananen betrifft, ein Fachmann?
Das Wohnen inmitten der fruchtbaren Bananenwälder um Weida wirkt sich psychisch sehr positiv aus und es fokussiert auf die vegetarische Amplitude. Zudem habe ich in jüngeren Jahren in der bananenverarbeitenden Industrie der DDR zeitweise als Bananenschmecktist gearbeitet.

Hatte das Konsequenzen?
Die Einen sagen so, die Anderen so.

Grau ist alle Theorie. Könnte es nicht einfach nur so gewesen sein, Sie waren sauer auf die Ausstellung, die nicht zustande kam, und sauer auf Maurizio Catellan?
Wer soll das sein?

Der Italiener, der für eine sechsstellige Summe auf der Art Basel in Miami Zertifikate für die Idee einer mit Klebeband an die Wand befestigten Banane verkaufte. Die dann vom italienischen Aktionskünstler David Danuta einfach verspeist wurde. Was weltweit Schlagzeilen machte und den Geldwert von Catellans Idee wohl weiter steigen ließ.
Das bestätigt nur, wie ich, gestützt auf nicht nur verhalten geäußerte Vermutungen der Kunstwissenschaft, immer anmerke, es bestehen bisher noch geheim gehaltene Verbindungen zu thematisch verwandten Darstellungen in der jüngeren internationalen Kunstszene.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, auch Sie hätten Ihr Werk erst verkauft und dann aufessen lassen?
Das sehe ich anders. Erstens, existieren noch die Skizzen, deren Wert nach der Verdauung des Gemäldes steigt und steigt. Zweitens heißt es, für mein Spätwerk typisch sei die zunehmende Verknappung in der künstlerischen Flächenbewältigung. Wir reden hier über künstlerische Konsequenzen. In diesem Falle ist die Konsequenz der Verknappung das nicht mehr vorhandene Bild. An diesem künstlerischen Konzept werde ich auch in Zukunft zielgerichtet weiter arbeiten.

Na dann, weiter Guten Appetit!
Dank Ihnen elf Eimerchen.




Staunen und schaudern im vergessenen Fürstenschloss

Ausstellung in Schloss Hubertusburg mit Multimedia-Traumhochzeit und einem gespenstischen Rundgang durch 300 Jahre Geschichte

Unverhoffte Begegnung zwischen Plastik und Mensch im Innenhof von Schloss Lichtenwalde. Seit 30. März präsentieren Schloss & Park Lichtenwalde eine liebenswerte Ausstellung von Christel Lechner. Bis zum 3. November 2019 werden über 65 Skulpturen der deutschlandweit bekannten Künstlerin unter freiem Himmel zu sehen sein.

In jeder Hinsicht schräg

Konzerthaus Blaibach in der Oberpfalz